Tipps gegen den Heizkosten-Schock
 

Die Heizkosten steigen  dramatisch an!
Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht.
Dabei kann jeder – auch der Mieter – einen Beitrag zur Senkung der Kosten erreichen.

Ein Artikel von Martin Prem
Durchschnittlich 850 Euro an Heizkosten wurden für eine 70-Quadratmeter-Wohnung im letzten Jahr fällig – 220 Euro oder 34,9 % mehr als 2009 (damals sanken die Heizkosten sogar leicht). Das geht aus dem bundesweiten Heizspiegel hervor, den der Deutsche Mieterbund gemeinsam mit dem Informationsportal co2online veröffentlicht hat. Wer mit Gas heizt, kam in einer vergleichbaren Wohnung mit 805 Euro davon (plus 2,2 %). Fernwärmekunden mussten zwar auch nur geringe Steigerungen hinnehmen (plus 2,3 %). Doch die Kosten für die 70-Quadratmeter-Wohnung kletterten auf 880 Euro. Entwarnung ist nicht in Sicht. Auch in diesem Jahr sind die Heizölpreise um 25 % gestiegen. Das zieht bei der nächsten Abrechnung erneut dramatisch höhere Heizkostenzahlungen nach sich. Eigentümer können die alte Heizung gegen eine sparsame neue ersetzen oder Wände und Fenster dämmen. Doch auch Mieter haben eine spürbare Senkung der Heizkosten selbst in der Hand. Hier die wichtigsten Tipps, damit der Heizkosten-Schock im nächsten Jahr ausbleibt.

Abdrehen
Das wichtigste Werkzeug zum Sparen ist der Thermostat: Wer die Heizung um ein Grad zurückdreht, spart nach einer Faustformel sechs Prozent Heizkosten. Vor allem in ungenutzten Räumen lohnt sich eine Absenkung der Temperatur. Doch auch dort sollte es nicht kälter als 16 Grad sein, weil sich sonst leicht Schimmel an den Wänden bildet. In Wohnräumen sollte die Temperatur zwischen 20 und 22 Grad, in der Küche zwischen 18 und 20 Grad, im Schlafzimmer zwischen 16 und 18 Grad und im Badezimmer bei maximal 23 Grad.

Thermostate
Durch elektronische Thermostatventile mit einer programmierbaren Nachtabsenkung lässt sich ebenfalls Energie sparen. Neue Thermostate dürfen nach Auskunft des Deutschen Mieterbundes auch vom Mieter angebracht werden. Doch sollte man die alten Köpfe aufheben und gegebenenfalls beim Auszug wieder anbringen.

Entlüften
Gluckernde Geräusche im Heizkörper zeigen: Im Heizkörper ist Luft. Das System verliert an Effizienz. Oft wird der Heizkörper nicht mehr richtig warm. Dann sollte entlüftet werden. Den dazu notwendigen Schlüssel gibt es in jedem Baumarkt zu kaufen. Allerdings ist es sinnvoll, dies am obersten Punkt eines Heizkreises zu tun. Der entsprechende Heizkörper kann also in einer fremden Wohnung liegen. Also erst auch mit den betroffenen Nachbarn reden.

Freiraum
Wenn Möbel den Heizkörper verstellen oder Vorhänge die Luftzirkulation behindern, kostet dies unnötigerweise viel Energie.

Dämmen
Heizkörpernischen in meist ohnehin schlecht gedämmten Wänden sind Wärmebrücken. Damit heizt man überflüssigerweise die Außenluft auf. Reflexionsplatten können einen Großteil der Wärme zurückhalten und für geringere Heizkosten sorgen. Allerdings müssen die Platten hinter der Heizung sorgfältig aufgeklebt werden. Man sollte das einem Fachmann überlassen.

Dichten
Wenn die Luft durch Fugen an Fenstern oder Türen entweicht, geht viel Wärme verloren. Auch Mieter dürfen hier mit Dichtleisten oder Bürstendichtungen für Abhilfe sorgen.

Lüften
Gekippte Fenster – möglichst auch bei Frost den ganzen Tag – sorgen für frische Luft, werden aber, weil die Räume stark auskühlen, spätestens bei der Heizkostenabrechnung teuer. Gar nicht zu lüften, bringt hohe Kohlendioxidbelastungen mit sich, hält die Schadstoffe in der Wohnung, und fördert wegen hoher Luftfeuchtigkeit auch Schimmelbildung an Decken, Wänden oder Fensternischen. Wo nicht ein automatisches Be- und Entlüftungssystem für frische Luft bei möglichst geringen Energiekosten sorgt, heißt die Lösung Stoßlüften. Also die Fenster mehrfach täglich kurz und vollständig öffnen und dann wieder schließen. Besonders wirksam ist das Querlüften, wo sich Fenster oder Türen in verschiedenen Räumen gegenüberliegen. Dabei sollten die Fenster für fünf bis zehn Minuten geöffnet werden. Während dieser Zeit sollte die Heizung über den Thermostat abgestellt werden.
Man sollte nur lüften, wenn die Luftfeuchtigkeit draußen geringer ist als in der Wohnung, denn feuchte Luft braucht wesentlich mehr Energie als trockene Luft um wieder auf die gleiche Temperatur erwärmt zu werden. Wie häufig man lüften muss, hängt auch von der entstehenden Feuchtigkeit und dem Verbrauch der Raumluft ab. Berufstätige, die tagsüber nicht daheim sind, sollten etwa morgens nach dem Aufstehen und Duschen lüften – und abends bevor sie ins Bett gehen.

Sparen am Boiler
Wer warmes Wasser in der Wohnung per Durchlauferhitzer oder Boiler produziert, sollte die Geräte so einstellen, dass das Wasser nicht zu heiß wird. 60 Grad reichen völlig aus – alles darüber ist pure Energieverschwendung. Während des Urlaubs sollte man den Boiler lieber ganz abstellen.

Dieser Artikel stammt aus der Chiemgau Zeitung vom 13. Oktober 2011
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Oberbayerisches Volksblatt